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Interview: Product Manager der ESL Meisterschaft im Interview17.12.2017, 18:30

Neuer ESLM-Chef: Werden zu den Fans kommen - nicht andersherum

Wer aufmerksam das Tagesgeschäft der ESL verfolgt, für den dürfte der Abgang von Michael Bister keine Überraschung sein. Der ehemalige Head of Progaming Germany und damit zuständig für die ESL Meisterschaft, hat Turtle Entertainment verlassen um seinen Traum einer eigenen Bar zu verwirklichen. Nun steht mit Christoph Kohlhaas bereits seit kurzer Zeit ein neuer Chefstratege an der Spitze der ESLM. Wir haben mit ihm über seine Arbeit und die Pläne für die Meisterschaft gesprochen.



Der Titel ist zwar nicht mehr Head of Programing, sondern Product Manager, an der Verantwortung für die deutschen Ligen und Meisterschaften hat sich aber nicht viel geändert. Bereits in den nächsten Monaten dürfen wir auf die ersten Änderungen am bisherigen System des Ligabetriebs gespannt sein, Details dazu werden aber erst später verraten. Trotzdem gewährt Christoph erste Einblicke in seinen neuen Job und woran er arbeitet.

Seit kurzem bist du als neuer Product Manager der ESL für Deutschland zuständig. Wer ist Christoph Kohlhaas und wie kam er zur ESL?

Zunächst bedanke ich mich für das Interesse in die ESL Meisterschaft und meiner Wenigkeit. Mein Name ist Christoph Kohlhaas, ich bin 30 Jahre jung und komme ursprünglich auch aus Köln. Ich habe nach meinem Wehrdienst das Studium der Politik- und Sozialwissenschaften aufgenommen und mit dem Master of Arts 2016 abgeschlossen. Parallel habe ich relativ früh in der politischen und strategischen Kommunikation bei einem globalen Logistikunternehmen begonnen zu arbeiten. Doch wie so oft im Leben, habe ich nach ein paar Jahren für mich festgestellt, dass ich gerne über den Tellerrand hinaus schauen möchte, um neue Erfahrungen sammeln zu können.

Eigentlich durch einen Zufall habe ich von der offenen Position bei der ESL Meisterschaft erfahren. Da ich die ESL sehr gut aus der Konsumentenseite kenne und als passionierter Gamer mich natürlich auch für den eSport interessiere, habe ich mich um die Stelle als Produkt Manager beworben. Ich freue mich natürlich über das erbrachte Vertrauen der ESL-Verantwortlichen und bin gespannt, was das Jahr 2018 für uns bereithält.


In deiner neuen Aufgabe übernimmst du viel Verantwortung für die zukünftige Ausrichtung der deutschen Esport-Landschaft. Erzähl uns doch am besten selbst, wie dein Aufgabengebiet aussieht.

Als Product Manager ESL Germany bin ich natürlich Hauptverantwortlicher der ESL Meisterschaft, einer der traditionsreichsten Ligen der ESL, was mich persönlich wirklich stolz macht. Im Kern denkt man, dass das Aufgabengebiet damit klar abgesteckt sei, aber es gehört deutlich mehr dazu. Neben dem Ablauf der Liga in Absprache mit dem Verantwortlichen von League Operation, kümmere ich mich auch um die zukünftige strategische Ausrichtung der Liga, was natürlich auch eine gewisse Auswirkung auf die Esports-Landschaft hat. Seien es neue Spiele, die in unser Portfolio aufgenommen werden sollen, die Anpassung von bestehenden Strukturen, damit der Ligabetrieb optimiert werden kann oder aber die Erweiterung von Elementen. Hinzu kommen kleinere Projekte und Events in der deutschen Esport-Landschaft, die ich mitbetreue und denen ich mit Rat und Tat zur Seite stehe.


In den letzten fünf Jahren hat sich der Esport rasant entwickelt. Stadien, Fernsehübertragungen, Millionen an Preisgeld und enorme Gehälter. Auch die Organisatoren, darunter die ESL, entwickeln sich weiter. Auf welche Änderungen und Innovationen können wir uns – vor allem in Deutschland – gefasst machen?

In den vergangenen Jahren haben wir tatsächlich ein enormes Wachstum feststellen können. Mit der ESL One Frankfurt als erstes deutsches Megaevent bis hin zum Ausverkauf der ESL One Cologne in den vergangenen zwei Jahren, ist der Markt hierzulande für uns nach wie vor von sehr großer Bedeutung. Die ESL Meisterschaft, quasi sowohl das Fundament der heutigen eSport-Großveranstaltungen, als auch wichtiger Innovationsträger, wird auch weiterhin einen großen Stellenwert bei uns haben. Dabei gilt es stets, vorhandene Strukturen neu zu überdenken und auf ihre Qualität hin zu prüfen. Auch in Punkto Ligabetrieb und operationellen Ablauf, arbeiten wir an neuen Konzepten, um das Erlebnis für Teams und Fans kontinuierlich zu verbessern. Gerade bei einem derart schnell wachsenden Markt wie im Esport, müssen sich die Veranstaltungen, als auch die ESL Meisterschaft selbst, an die neuen Begebenheiten und Anforderungen anpassen. Für uns heißt das konkret, dass wir zunächst versuchen, wieder ein weiteres Publikumsgebiet zu erschließen. Die Gamescom ist zum Beispiel ein traditioneller und beliebter Austragungsort, allerdings möchten wir in Zukunft insbesondere mit den Winterfinals wieder weitere Stationen in Deutschland besuchen. Die positive Resonanz für die Wintermeisterschaft in Stuttgart hat uns gezeigt, dass wir mit der ESL Meisterschaft allen Esport-Begeisterten in Deutschland gerecht werden müssen - für die kommenden Seasons werden wir daher wieder vermehrt zu den Fans kommen. Nicht andersherum.


Das wird viele Fans sicherlich freuen zu hören, dass die ESL flexibler in der Ausrichtung der Finals sein wird. Gibt es bereits konkrete Pläne, wo diese möglicherweise abgehalten werden können?

Ach, wir wollen doch nicht die schöne Überraschung schon vorwegnehmen. Ich kann euch an dieser Stelle aber sagen, dass wir schon konkret verschiedene Teile von Deutschland im Blick haben, die bis jetzt eher weniger ein Esportsevent dieser Größe hatten und wo wir als ESL Meisterschaft den Esport weiter nach vorne bringen möchten. Ich denke, dass die deutsche Community es auch verdient hat, dass wir flexibler werden und uns auch etwa in den Süden von Deutschland wagen, wie jetzt in Stuttgart, worauf ich mich sehr freue.


Du hast eben schon von neuen Konzepten gesprochen, an denen ihr arbeitet. Kannst du uns da bereits verraten, woran ihr gerade feilt?

Also ich kann ja einen kleinen Einblick ermöglichen, das große Ganze werden wir im Zusammenhang mit Stuttgart verkünden. Alle aktuellen Spiele, die in der ESL Meisterschaft stattfinden, werden angepasst und für alle Beteiligten optimiert. In allen Spielen möchte ich gerne eine komplett neue Division aufbauen, die sich unterhalb der 1. Div. befinden wird. Sie spielt genau wie die erste Division und umfasst das gleiche Regelwerk. Damit möchte ich natürlich mehr Teams und Spieler abholen und ihnen bereits in der „neuen“ 2. Division ermöglichen, sich mit dem System vertraut zu machen. Ich denke, dass in Deutschland bei Weitem nicht das Potenzial ausgeschöpft wird, was an starken Teams und Spielern vorhanden ist. Des Weiteren schauen wir zusammen auf das Regelwerk und werden es eventuell überarbeiten. Das hängt nicht zuletzt von den Workshops ab, die wir ebenfalls vor der ersten Season 2018 planen, aber dazu später mehr.


Wo siehst du aktuell das größte Potential und Bedürfnis, an Stellschrauben zu drehen, um für das deutsche Publikum die bestmöglichste Erfahrung und Show zu bieten.

Neben der breiteren Aufstellung in Deutschland ist es ein besonderes Anliegen für mich, den Fans vor Ort ein großartiges Erlebnis zu bieten. Diese reisen oft mehrere hundert Kilometer, um ihre Idole live auf der Bühne zu erleben. Mit unseren wichtigen Partnern haben wir heutzutage größere Möglichkeiten und können entsprechend in anderen Dimensionen planen. Neben der Verbesserung unserer Produktion möchte ich jedoch vor allem die allgemeinen Standards erhöhen. Kleine technische Probleme können immer auftreten, das ist im eSport nie ganz auszuschließen. Diese Wahrscheinlichkeiten jedoch so gering wie möglich zu halten und einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen, muss unser Anspruch über alle Veranstaltungen hinweg sein.


Mit dem Satz, dass ihr wieder mehr zu den Fans kommen wollt, statt diese zu euch, werden alte Erinnerungen der Intel Friday Night Games wach. Darf man hoffen, dass man vereinzelt wieder Events in diesem Stile erleben darf?

Da sagst du was, ich selbst bin auch schon auf den IFNG in Köln gewesen und habe mit den anderen Fans mitgefiebert, es war für mich eine tolle Erfahrung und bis heute denke ich gerne an die WC3- und CS 1.6-Schlachten zurück. Ich denke, dass dieses Konzept durchaus auch heute noch, mit Anpassungen an die neuen Gegebenheiten, Anwendung finden kann. Aktuell planen wir zwar nichts Konkretes, aber seid euch versichert, wir haben auch solche Aktivitäten auf dem „Schirm“ und schließen für die zukünftige Entwicklung der ESLM nichts aus.


Geschrieben von spawnYzn

Quelle: Teaser-Bild: ESL Twitter

Kommentare


#1
deon7ay schrieb am 17.12.2017, 21:12 CET:
Kann nur besser werden mit dem neuen produkt manager
#2
x0RRY schrieb am 18.12.2017, 00:24 CET:
"Diese reisen oft mehrere hundert Kilometer, um ihre Idole live auf der Bühne zu erleben."

"Idole" gibt es im deutschen eSport leider nicht mehr. Zumindest nicht in der EPS.
Ich bezweifle, dass die EPS je wieder an Stellenwert gewinnen wird. Die nationalen Zeiten des eSports sind wohl vorbei. Wünsche ihm trotzdem viel Erfolg!
#3
chrizzzzz schrieb am 18.12.2017, 00:58 CET:
x0RRY schrieb:
"Diese reisen oft mehrere hundert Kilometer, um ihre Idole live auf der Bühne zu erleben."

"Idole" gibt es im deutschen eSport leider nicht mehr. Zumindest nicht in der EPS.
Ich bezweifle, dass die EPS je wieder an Stellenwert gewinnen wird. Die nationalen Zeiten des eSports sind wohl vorbei. Wünsche ihm trotzdem viel Erfolg!


Soweit ich das richtig verstanden habe, wird es wieder sowas wie eine 1st Div geben wie damals. Sollte schon etwas helfen. Um den Stellenwert weiter zu erhöhen sollte man sich um Sponsoren bemühen und mehr Preisgeld ausschütten.
#4
MasHN schrieb am 18.12.2017, 08:24 CET:
Spricht schon für sich wenn der alte Produkt Manager lieber ne Bar aufmacht :D
#5
ApEk schrieb am 18.12.2017, 09:13 CET:
Die IFNG´s waren immer cool. Sollten sie wirklich wieder aufleben lassen
#6
NiSTEN schrieb am 18.12.2017, 11:06 CET:
chrizzzzz schrieb:
x0RRY schrieb:
"Diese reisen oft mehrere hundert Kilometer, um ihre Idole live auf der Bühne zu erleben."

"Idole" gibt es im deutschen eSport leider nicht mehr. Zumindest nicht in der EPS.
Ich bezweifle, dass die EPS je wieder an Stellenwert gewinnen wird. Die nationalen Zeiten des eSports sind wohl vorbei. Wünsche ihm trotzdem viel Erfolg!


Soweit ich das richtig verstanden habe, wird es wieder sowas wie eine 1st Div geben wie damals. Sollte schon etwas helfen. Um den Stellenwert weiter zu erhöhen sollte man sich um Sponsoren bemühen und mehr Preisgeld ausschütten.


Sehe nicht wie man den Stellenwert erhöhen möchte.
Zu den Glanzzeiten der EPS in 1.6 gab es National wie International nur eine Hand voll Turniere und Ligen, die immer ein richtiges Highlight im Liga-Alltag gewesen sind.

Heute gibts gefühlt 20 Ligen in der jedes Team mitspielen kann, egal ob relevant oder irrelevant. Dazu kommen gefühlt 15 große Turniere mit 150k+ USD Preisgeld. Da kann und wird eine EPS in Deutschland keine Relevanz mehr erlangen.

Der Titel "Deutscher Meister" ist doch auch nicht sonderlich viel wert. Man stelle sich vor, Dortmund und Bayern würden sagen "Bundesliga? Nee, lasst mal, aber euch viel Spaß!" - Hätte für mich (persönlich) keinerlei Wert wer dann da Meister werden würde.
 

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