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Interview: ESC und die Copenhagen Games28.03.2013, 16:00

Rolf Platschka von ESC Gaming im Interview - Teil 1

Auch das Team ESC Gaming steht bei uns im Zuge der Copenhagen Games im Fokus. Daher haben wir mit dem Manager Rolf 'limit' Platschka ein Interview geführt. Im ersten Teil des Interviews geht es um die Copenhagen Games. Ihr erfahrt, welche Erwartungen und Ziele sie für die Copenhagen Games haben und warum ESC Gaming keinen Invite bekommen hat und so das BYOC-Turnier spielen muss.



Hallo Rolf, erst ein mal vielen Dank für deine Zeit. Ihr habt leider keinen Invite für die Copenhagen Games bekommen. Kannst du uns schildern, wie es dazu kam? Habt ihr es verpasst euch anzumelden oder wurdet ihr übersehen?

Rolf 'limit' Platschka: Hallo Tobias, gerne. Die Spieler waren vor ein paar Tagen noch hier und als ich gesehen habe, dass wir BYOC spielen müssen, bin ich erst mal aus allen Wolken gefallen. Dann habe ich alle Emails gecheckt, egal von wem. Wir sind alle fünf Rechner durchgegangen, bei Taz, Kuben, Neo, Mariusz (Anm. d. Red.: Loord). Keiner von uns hat eine Email erhalten, dass wir eine Bewerbung schreiben müssen. Jetzt könnte man natürlich sagen: "Ok, Jungs. Ihr seid schon so lange im Geschäft, ihr wisst, dass eine Bewerbung bei den Copenhagen Games oder bei anderen Veranstaltungen gefordert wird." Das ist aber nicht immer eine Grundvoraussetzung. Ich habe über meinen Spieler- und Teamaccount auch keine Aufforderung erhalten und wir haben es erst dann festgestellt, als von den Veranstaltern der Copenhagen Games veröffentlicht wurde, dass wir beim BringYourOwnComputer-Turnier mitspielen müssen. Wir haben dann noch versucht, das mit dem Admin zu klären, haben ihm geschrieben, er soll uns doch bitte den Nachweis schicken, dass wir eine Email mit dieser Aufforderung erhalten haben. Seitdem haben wir von den Admins nichts mehr gehört und müssen uns mit dieser Situation zurechtfinden, was für mich heißt, dass ich den Spielern ihre eigenen PCs und eigene Monitore bringe, damit die das BYOC spielen können. Das waren aber nicht die einzigen Missverständnisse. Es gab auch Probleme bei der Hotelbuchung.


Ist das denn in letzter Zeit schon öfters vorgekommen, dass Veranstalter solche Fehler machen oder hast du auch schon bessere Erfahrungen gemacht?

Wir waren jetzt ja auf dem TECHLABS Cup, da lief alles reibungslos ab. Da musst du nur für dein Team die Visa für Moskau bezahlen, was pro Person trotzdem 200 EUR kostet, aber dafür werden Anreise und so weiter bezahlt. Dann gibt es noch die ESEA, wofür wir ja nach Dallas fliegen. Die haben ganz klar auf ihrer Homepage stehen: Jungs, wir haben die Zimmer bis zum ersten April geblockt, bitte meldet euch an, macht eine Vorreservierung, Payment ist so und so möglich. Da ist das ganz klar organisiert, da läuft das super. Ich finde, das sind alles nur Menschen, jeder macht mal Fehler, aber ich denke, dass die Copenhagen Games als langes Tournament da etwas präziser arbeiten könnte.


Du hast dein polnisches Team ja schon etwas länger unter Vertrag. Bist du sowohl mit der spielerischen Leistung als auch mit der menschlichen Seite her zufrieden oder wird es in nächster Zeit den einen oder anderen Wechsel geben?

Menschlich verstehen wir uns einfach super. Wir chatten jeden Tag, wir schreiben jeden Tag SMS. Das geht auch von denen aus, die kamen jetzt von Moskau zurück, saßen auf einem Zwischenairport und haben mir direkt eine Entschuldigung geschrieben, warum sie nur den dritten Platz belegt haben. Wir gehen oft essen und machen auch sonst viel gemeinsam, wenn wir uns treffen. Natürlich gibt es auch manchmal Streit und harte Worte, auch weil ich gesagt habe, ein dritter Platz reicht mir nicht. Dafür bekommt ihr auch zuviel Support. Heißt nicht im finanziellen Sinne, sondern dass wir dem Team alle Kleinigkeiten abnehmen, egal was. Die müssen sich um nichts kümmern, sondern sich einfach nur hinsetzen und spielen. Das heißt, sie verlangen was und dann verlange ich auch was und da sage ich mittlerweile, dass mir ein dritter, vierter Platz nicht genügt. Da ist der Aufwand, den wir gemeinsam betreiben, auch sehr hoch - auch in den Bootcamps, mit stundenlang trainieren, danach drüber reden, welche Taktiken sind sinnvoll, was machen wir falsch und wo müssen wir uns verbessern. Das ist einfach ein sehr hoher Stunden- und Tagesaufwand, der auch neben dem Bootcamp weiterläuft. Wir hängen permanent im Teamspeak, wir chatten via Skype oder SMS, treffen uns auf den Events und, nein, es gibt keine Überlegung weder das Team noch einen Spieler zu tauschen. Wir haben uns auf die Brust geschrieben, lange zusammen zu arbeiten und den Erfolg einzufahren. Es gehört auch ein stückweit Geduld, die man an den Tag legen muss, dazu und diese Geduld und das Vertrauen muss ein Management einem Team auch zeigen. Es ist das einzige Team, das komplett aus dem 1.6-Bereich stammt, jetzt neben NaVi. Die sind ja nachgerückt und man sieht auch welche Probleme wir haben, mal zeigen wir eine Topleistung, mal weniger. Das muss sich noch stabilisieren, darüber sind wir uns im Klaren. Und sie entschuldigen sich bei mir, dass sie nur den dritten Platz erreicht haben, also da weiß man, dass die einen Leistungsanspruch haben.


Gibt es noch irgendwelche Erwartungen in menschlicher Sicht, kann sich da noch etwas verbessern, vielleicht in Sachen Pünktlichkeit?

Das gibt es gar nicht. Die sind immer pünktlich, kein Training fällt aus und es wird nie ein PCW abgesagt. Da gibt es überhaupt keine Disharmonie. Das einzige Problem, welches wir erkannt haben, ist, dass wenn sie von zu Hause spielen, sie manchmal Motivationsdurchhänger haben. Das ist ein reines Lan-Team. Die pushen sich während der Lan gegenseitig hoch und da haben wir durch viele Gespräche festgestellt, dass der eine oder andere zu Hause nicht diese Power an den Tag legen kann. Inzwischen haben auch alle eine gute Leitung, sodass man nicht mehr davon reden kann, dass sie ein Ping-Problem hätten. Somit ist es von zu Hause nur eine Motivationsgeschichte. Und daran müssen wir arbeiten, das wissen wir alle und da rauft man sich dann zusammen. Die Jungs stehen jeden Morgen um 9 Uhr auf, machen gemeinsam ihr Frühstück, trainieren 2-3 Stunden im Fitness, kommen zurück um etwas Taktik zu besprechen, dann machen sie Mittagessen, gönnen sich etwas Entspannung und sitzen dann pünktlich am Tisch und machen ihre Aufgaben und die machen sie gut. Die Theorie stimmt ja, sie wissen auch welche Fehler sie machen, aber die Umsetzung, da fehlt noch Stabilität in ihrem Gameplay. Da sind sie noch nicht weit genug und daran müssen wir noch arbeiten.


Du hast kurz die PCWs angesprochen. Gibt es da jemanden, der die organisiert oder machen das die Spieler selbst?


Rolf 'limit' Platschka.
Das machen die Spieler selber. Das ist für sie deutlich leichter durch die Kontakte, die die Jungs haben, da sie schon lange auf diesem hohen Niveau spielen, da braucht man sich keinen Siebzehnjährigen zu holen, der sich da erst reinarbeiten muss. Es gibt dann auch PCW-Abende, an denen dann 5 Maps nur gegen ein Team gespielt werden, um Taktiken auszuprobieren. Da wird auch keiner rankommen, selbst ich halte mich da raus.


Lass uns noch mal kurz über die Copenhagen Games sprechen. Du hast ja schon deinen Unmut über den Qualifier geäußert, welche Ziele haben sich die Spieler gesetzt und was erwartest du von ihnen? Reicht euch ein Gruppeneinzug oder wollt ihr auf jeden Fall gewinnen?

Darüber haben wir natürlich viel gesprochen und auch darüber, dass wir das BYOC spielen müssen, über die Erfahrungen aus dem letzten Jahr. Wir werden auf jeden Fall einen Tag früher anreisen müssen, also brauchte auch die Reiseplanung eine neue Gestaltung, zum Beispiel mussten Flüge und Hotel umgebucht werden. Wir haben uns auch gesagt, dass wir auf keinen Fall dort PCs anmieten, von denen wir nicht einmal wissen, wie der Leistungsstand ist. Um auf Platz 1 oder 2 zu kommen, brauchen sie auch die Hardware, auf der sie gewöhnt sind zu spielen. Daraufhin habe ich gesagt, ich nehme meinen Sohn mit, fahre einen Tag vorher nach Kopenhagen und baue Donnerstagmorgen das gesamte Equipment auf. Das war vorher so nicht geplant, sondern eigentlich sollte ich nur den Freitag oder Samstag dorthin fliegen. Zur Platzierung gab es mit TaZ ein kleines Battle. Da ging es abends in der Küche aus Spaß hin und her. Das sind alles sehr gute Esser, auch dadurch, dass sie viel Zeit im Fitnessstudio verbringen - also die Fressen einem die Haare vom Kopf. Er wollte kochen und ich packte seine Sachen aus: Putenbrust, Paprika, Nudeln, dieses und jenes. Er stellte sich an den Herd und ich meinte zu ihm: "Für das, was du von mir zu essen bekommst, erwarte ich mindestens Platz 2." Seine Antwort war: "Ok Rolf, das ist zwar hart, aber ich hab' Hunger. Den Platz werden wir versuchen zu erreichen." Also Platz 1 bis 2 ist unser Ziel. Da kann ich auch noch eine kleine Geschichte zu erzählen. Als wir hier im Bootcamp waren, haben wir gegen NiP gespielt und danach gegen mousesports und wir haben das erste Mal gegen NiP gewonnen. Die Jungs sind wie auf einer Lan von ihren Stühlen aufgesprungen, lagen sich in den Armen und haben sich wahnsinnig gefreut. Das war eben eine Kopfsache, wenn der Name NiP auftaucht, fangen die Beine an zu schlottern. Da sind wir aber sicherlich nicht die Einzigen. Und als wir uns vor dem Spiel hingesetzt hatten, habe ich ihnen nur einen Zettel hingelegt auf dem stand: Die haben als Kinder genauso in die Hosen gemacht wie jeder andere auch. Das hat die Jungs dann vielleicht ein bisschen motiviert und auf die Spur gebracht - wir haben das Spiel gewonnen und dann kam das Spiel gegen mousesports und dann gabs da wieder Druck von mir - ohne mousesports weh tun zu wollen, aber das ist nicht unser Anspruch so hoch gegen die zu verlieren. Das sehen die Jungs auch ganz klar ein.


Der zweite Teil des Interviews thematisiert unter anderem das neue ESC Icy Box Center in Köln-Pulheim. Ihr erfahrt, welche Gründe und Ziele es für den Umzug an den Rhein gab und wie ESC Gaming in Zukunft ausgerichtet sein wird. Der zweite Teil wird am kommenden Sonntag, nach den Copenhagen Games, veröffentlicht.


Verfolgt ihr Copenhagen Games 2013?



Geschrieben von dyNa

Kommentare


#1
EcoR schrieb am 28.03.2013, 16:15 CET:
Richtig tolles Interview <3
#2
snake-41 schrieb am 28.03.2013, 16:15 CET:
gut , informativ und "erwachsen" zu lesen
#3
nooked schrieb am 28.03.2013, 16:18 CET:
rolf eh beschde
#4
TraitorJudas schrieb am 28.03.2013, 16:29 CET:
ESC muss man einfach mögen :)
#5
EcoR schrieb am 28.03.2013, 16:55 CET:
TraitorJudas schrieb:
ESC muss man einfach mögen :)

+1
#6
Galaxy.aka.fAim schrieb am 28.03.2013, 17:04 CET:
sehr schönes interview
#7
Pissbudenlouis schrieb am 28.03.2013, 17:39 CET:
"Inzwischen haben auch alle eine gute Leistung, sodass man nicht mehr davon reden kann, dass sie ein Ping-Problem hätten" ich denke es ist Leitung gemeint ;) gutes Interview
#8
X-Ray schrieb am 28.03.2013, 17:41 CET:
Pissbudenlouis schrieb:
"Inzwischen haben auch alle eine gute Leistung, sodass man nicht mehr davon reden kann, dass sie ein Ping-Problem hätten" ich denke es ist Leitung gemeint ;) gutes Interview


Danke, ist gefixt =)
#9
Petrarca schrieb am 28.03.2013, 18:45 CET:
Klasse Mann. Der eSport bräuchte mehr von dieser Sorte!
#10
GrandX1988 schrieb am 28.03.2013, 20:28 CET:
Petrarca schrieb:
Klasse Mann. Der eSport bräuchte mehr von dieser Sorte!


Kann auch nicht anders sagen, muss eine sehr gute Team Zusammengehörigkeit geben (: Gutes Interview, viel erfolg ^^
#11
cynical baby schrieb am 28.03.2013, 21:00 CET:
Ich mag Rolfs klare Ansagen.
#12
DonkyDonk schrieb am 31.03.2013, 15:43 CEST:
cynical baby schrieb:
Ich mag Rolfs klare Ansagen.


:-D :-D herrlich!
 

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