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Interview: Der neue North Head-Coach im Gespräch23.03.2019, 15:00

mithR: Sein emotionaler Abschied, die erste Zeit bei North und Vergleich mit aTTaX

Nach seinem Job als Leiter der Esport-Studiengänge im Vejle Sport-College hat der ehemalige ALTERNATE aTTaX-Coach Torbjørn 'MithR' Nyborg einen neuen Vertrag bei North erhalten. Er erzählt uns über den Wechsel zum dänischen Team und was er verändern wird.



Was waren die Hauptgründe für deinen Wechsel zu North?

Wenn man die Möglichkeit hat, einem Team wie North beizutreten, denkt man nicht lange darüber nach. Ich habe die Zeit bei ALTERNATE aTTaX wirklich genossen und danach habe ich es vermisst, zu coachen. Ich hatte zwar einen wirklich coolen Job als Leiter des Esport-Studiengangs am Vejle Sport-College und habe dort viele ehrgeizige Schüler in Counter-Strike unterrichtet, aber ein Team wie North zu coachen und gegen Teams wie BIG anzutreten, darauf freue ich mich wirklich - vor allem, weil mein alter Freund Tizian 'tiziaN' Feldbusch jetzt dort spielt.


War die Entscheidung, dich komplett aus dem Esport-Center zurückzuziehen, schwer?

Sehr schwer. Dieser Job war mein Leben, das habe ich ja auch in der Dokumentation ROAR gesagt. Das klingt jetzt etwas komisch, aber ich habe so eine gute Beziehung mit meinen Schülern aufgebaut, dass ich angefangen habe, zu weinen, als ich ihnen von meiner Entscheidung erzählt habe. Ich habe fünf meiner Schüler zu mir eingeladen und ihnen persönlich von meinem Wechsel zu North erzählt. Sie haben mich verstanden, aber auch angefangen, zu weinen. Es ist wirklich schön, wenn man nach einem Jahr so eine enge und trotzdem respektvolle Beziehung zu seinen Schülern aufbaut.




Wie war die erste Begegnung mit deinem neuen Team und wie wichtig ist der erste Eindruck des Coaches auf die Spieler?

Jonas 'whiMp' Svendsen, der Esport Manager von North, hat mich angerufen. Er hat gefragt, ob wir uns am Freitag treffen könnten und ob ich am Montag danach mit dem Team zur GG.Bet Ice Challenge reisen wollte. Ich hatte schon einige Treffen mit Jonas im Jahr 2018. North wollte, dass ich das Academy Team der Organisation trainiere. Damals lief aber irgendetwas schief zwischen aTTaX und North, also kam es nicht zum Wechsel.

Nach dem erfolgreichen Wechsel konnte ich erstmal nicht über Ziele oder frühere Ergebnisse nachdenken. Als ich das Treffen mit dem CEO und Jonas hatte, war das Wichtigste, dass ich noch vor London alle Spieler allein treffen konnte. Ich habe mich also mit jedem Spieler unter vier Augen getroffen, mehrere Stunden geredet und geschaut, dass unsere Ziele und Ambitionen zusammenpassen. Es war mir einfach wichtig, dass die Spieler ihren neuen Trainer nicht am Flughafen das erste Mal persönlich sehen.


Hattest du bereits einen Plan, welche Probleme du angehen wolltest, noch bevor du angefangen hast, North wirklich zu trainieren?

Ich habe nichts direkt angesprochen. Ich wollte mir erstmal einen Eindruck verschaffen, bevor ich irgendetwas Spezielles angehe. Mit diesem Plan im Hinterkopf konnte ich aber sofort sehen, dass sie einfach mehr Struktur brauchten - sowohl im Spiel als auch im Training oder in der Vorbereitung auf große Turniere. Das größte Problem war, jedem Spieler wieder Vertrauen zu geben, in sich selbst, aber auch gegenseitiges Vertrauen ineinander. Das habe ich ganz gut hinbekommen und das hat man in London gesehen, an unserem Ergebnis und an den lachenden Gesichtern der Spieler.


Wie groß war der Unterschied zwischen deinem Eindruck des Teams als Außenstehender und dem Eindruck, nachdem du mit den Spielern gearbeitet hast?

Es ist ziemlich wichtig, einen Blick von außen zu haben, man darf sich aber davon nicht blenden lassen. Was ich als Außenstehender vom Team mitbekommen hatte, passte nicht zu dem, was ich erlebt habe, als ich das erste Mal mit ihnen gearbeitet habe. Ich musste komplett umdenken, als ich gemerkt habe, dass es nicht an Taktik und individuellem Skill mangelt, sondern an genereller Struktur.


Was sind deine Stärken als Coach?

Ich denke, meine größte Stärke ist es, dass ich die Spieler da abhole, wo sie sind. Ich biete eine Umgebung, in der jeder auf seinem höchsten Level performen kann. In meiner Struktur gebe ich jedem Spieler die Freiheit, sein Leben selbst zu gestalten und einen Ausgleich zwischen CS:GO, Familie und Freunden zu finden. Ich denke, das ist sehr wichtig, wenn man Weltklasse-Spieler entwickeln will. Außerdem versuche ich, eine gute Balance zwischen innerer Motivation und starker Disziplin zu finden.




Nicolai 'HUNDEN' Petersen hat getweetet, dass wir dank dir ein vollkommen neues North auf der CT-Seite sehen werden. Wie hast du diese eigene Idee, CT zu spielen, entwickelt und was sind die wichtigsten Punkte?

Haha, HUNDEN ist unglaublich. Ich habe eine ziemlich klare auf Logik basierte Idee, wie man auf der CT-Seite rotieren und auf bestimmte Szenarien reagieren sollte. Diese Idee habe ich den Spielern vermittelt, nicht als Regel, die man niemals brechen darf, sondern als Ratgeber. Die Spieler haben dadurch einen ruhigeren Spielstil, mehr Struktur und ein besseres Verständnis füreinander. Es geht einfach darum, sich auf so viele Szenarien wie möglich vorzubereiten. Dann kann man weniger Fehler machen und mehr Runden gewinnen.


Was sind die Ziele für North dieses Jahr?

Das kommt darauf an, wen man fragt. Mein Ziel ist es, zu gewinnen und den Spielern ihr Vertrauen zurückzugeben, in sich selbst und in das Team. Wenn wir das schaffen, gewinnen wir mehr und bekommen auch wieder Unterstützung von der Community. Wenn ich jetzt schon daran denken würde, wo ich das Team im Dezember sehe, verliere ich aus den Augen, wo ich nächsten Monat sein will. Ich nehme jedes Match und jedes Turnier so, wie es kommt. Am Ende des Jahres werdet ihr ein Team sehen, das mehr Spiele gewonnen hat als im Vorjahr. Ein Team, das sich abrackert, um das beste der Welt zu werden und das Spaß am Spiel, miteinander und mit der Community hat.


Wo liegen die Unterschiede beim Coaching zwischen North und aTTaX?

Ganz offensichtlich ist natürlich, dass ich jetzt auf Dänisch coache und nicht auf Englisch.

Die größten Unterschiede liegen aber wahrscheinlich in den Erwartungen und Ressourcen der Teams. Wir sitzen jeden Tag im "Telia Parken" in Kopenhagen, der Arena, in der der FC Kopenhagen und das dänische Fußball-Nationalteam die eigenen Heimspiele bestreiten. Das ist unglaublich.

Was mir aber auch auffällt, ist die Community. Bei ALTERNATE aTTaX hatten wir die deutsche Szene hinter uns. Die ESL Meisterschaften sind immer noch die schönsten Events, an die ich mich erinnern kann - und das nur aufgrund der deutschen Community. Die Unterstützung der Fans, bei den Finals der ESL Meisterschaft oder auf LAN-Events, so etwas haben wir nicht bei North. Auch "mein guter Freund Scars" [Manager von aTTaX, Anm. d. Red.] fehlt. Die Kameradschaft im Management-Team hingegen ist super – genau wie bei aTTaX.



Welchen Aspekten musst du als Vollzeit-Coach jetzt etwas mehr Aufmerksamkeit schenken?

Ich denke, die nächsten Monate machen viel aus. Ich will zwar jedem Spieler eine Balance zwischen privatem und professionellem Leben bieten, bin mir aber auch bewusst, dass wir in einer Branche arbeiten, in der Ergebnisse zählen. Als Coach muss ich den Spielern eine Struktur geben, in der sie sich wohlfühlen und performen können. Deshalb habe ich den Spielern auch schnell klargemacht, dass wir einen gewissen professionellen Abstand zueinander brauchen. Sollte nämlich mal jemand auf die Ersatzbank geschickt werden müssen, wäre es auch mein Job, das zu tun.


Geschrieben von Zorkaa

Quelle: via.ritzau.dk



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(mithR about his emotional farewell and his first steps at North)
 

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Kommentare


#1
_got_d1Ce_ schrieb am 23.03.2019, 18:56 CET:
Netter Typ und er weiß was er treibt... schlüssig!
 

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