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Interview: Der australische Analyst über Hardcore-Analysen, Updates und Innovationen29.09.2019, 13:02

SPUNJ: Irgendwann wird es ein neues CS geben und die Geschichte wird fortgeschrieben

Als bekanntes Gesicht der internationalen CS:GO-Broadcasts ist der australische Analyst Chad 'Spunj' Burchill wohl jedem ein Begriff. Während des StarLadder Major Berlin 2019 hatte unser Redakteur Zorkaa die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen.




SPUNJ, deine Karriere als Analyst hat 2016 begonnen. Wusstest du damals schon, welche Art von Analyst du sein willst oder hast du das alles auf dich zukommen lassen?

Ich bin einfach hingegangen und habe angefangen zu reden. Als Analyst kommt es darauf an, zu wissen, worüber man redet. Ich habe jetzt schon mein halbes Leben mit Counter-Strike verbracht, also hoffe ich, dass ich mittlerweile genau weiß, wovon ich rede.

In Bezug auf das Verhalten vor der Kamera habe ich eigentlich nie großen Wert darauf gelegt, wie ich mich ausdrücke. Da hatte ich wohl etwas Glück, dass ich dieser verwahrloste Australier bin und scheinbar hat das ganz gut funktioniert bisher.

Einen wirklich Plan hatte ich aber wie gesagt nie. Ich habe mich einfach gefragt, was ich als Spieler oder Zuschauer von einem Analysten gerne hören wollen würde. Das war für mich die Inspiration.


Du hast von Zeit zu Zeit auch immer mal wieder die Rolle des Co-Casters übernommen. Würdest du das gerne wieder öfter tun?

Ich arbeite wirklich gerne als Co-Caster. Im Grunde kann ich dadurch Live-Analysen machen und dem Zuschauer mein Wissen über das Spiel weitergeben. Am Analyse-Tisch muss man immer viel zusammenfassen und sich kurz halten.

Es ist zwar schade, dass ich nicht öfter casten kann, aber ich verstehe auch vollkommen, warum das so ist. Einige der Turnierveranstalter, für die ich gearbeitet habe, habe ich gefragt, ob ich casten darf. Aber am Ende stand ich immer am Analyse-Tisch. Wir haben einfach so viele gute Caster und in der Rolle des Hauptkommentators bin ich einfach nicht gut genug. Wenn es sich mal wieder ergeben sollte, bin ich natürlich jederzeit am Start. Aber momentan bin ich mit meiner Rolle zufrieden.


Denkst du, die Rolle des Analysten könnte in den Produktionen noch weiter verbessert werden, wenn die Veranstalter mehr Ressourcen und Geld in die Hand nehmen würden?

Ich denke, so wie es im Moment läuft, können wir kaum mehr machen. Bei den ESL-Produktionen haben wir schon einige Neuerungen ausprobiert, wie z.B. das Analyse-Tool "Skybox". Und das ist echt ein cooler Weg, um den Zuschauern ein paar mehr Insides zu geben.

Aber wenn es wirklich darum geht, ein Bo3 oder Bo5 zu analysieren, dann benötigt das schlichtweg mehr Vorbereitungszeit. Die zehn bis 15 Minuten, die uns dafür zur Verfügung stehen, reichen da einfach nicht aus. Eigentlich müsste man sich schon einige Stunden vorher zusammensetzen, um sich die Top-Matches, die eventuellen Vetos, die Default-Strats usw. genauer anzusehen. Und natürlich darf der Spaß dabei auch nicht zu kurz kommen.

Es besteht definitiv Bedarf für diese "Hardcore-Analysen". Und ich finde es cool, den Zuschauern das zu zeigen, was man auf den ersten Blick vielleicht nicht gleich sieht. Aber leider haben wir für all das nicht genügend Zeit und auch die entsprechenden Tools fehlen uns noch. Trotzdem arbeite ich gerne mit der ESL, weil sie immer bereit ist, viel Neues auszuprobieren, um so viel "Geek-Talk" wie möglich zu machen.


Andere Talents wie Franky Ward versuchen sich immer wieder auch in Produktionen außerhalb von CS:GO. Alex "MACHINE" Richardson war sogar Host beim diesjährigen The International. Glaubst du, dass dadurch auch neue Ideen in die CS:GO-Broadcasts einfließen können?

Nun ja, bei den meisten unseren Produktionen läuft es so ab, dass wir uns alle kurz treffen und dann geht's in der Regel auch schon los. Wir haben keine großen Vorbesprechungen oder Meetings mit einer Woche Vorlauf.

Die Erfahrungen, die Leute wie Franky oder MACHINE machen, sind natürlich sehr wertvoll, um zu sehen, wie andere Turnierveranstalter arbeiten. Aber am Ablauf der CS:GO-Shows wird sich dadurch nichts ändern können. Wir können das am Ende nur für uns selbst verwenden.

In League of Legends gibt es für so etwas immer Production Meetings - mindestens eine Woche vor der eigentlichen Produktion. Wir gehen da eher von Turnier zu Turnier und müssen bei der Vielzahl an Veranstaltungen am Ball bleiben.


Bei Spielern fragt man häufig, welches Turnier den internationalen Durchbruch mit sich gebracht hat. Wie war das bei dir als Analyst?

Ich hatte eine sehr simple Einführung in die Analyse. Anfangs habe ich für die ESL Pro League analysiert, da gibt es kein großes Studio und auch keine riesigen Produktionsteams. Nur die Kamera und man selbst. Und auch die Leute, die dabei waren, wie z.B. Sadokist, Henry G, MACHINE und Pansy, kannte ich alle schon aus meiner aktiven Spielerzeit. Das war sehr angenehm.

Ein wirkliches Breakout-Event hatte ich eigentlich nicht. Wobei ich über sowas auch nicht viel nachdenke - ich tue die Dinge einfach so, wie sie kommen. Vielleicht gibt es da draußen Leute, denen ich bei einem bestimmten Event besonders aufgefallen bin, wer weiß. In Sydney mögen sie meistens, was ich mache - keine Ahnung warum.




Du sagtest bereits, dass Counter-Strike einen großen Teil deines Lebens bestimmt. Inwieweit verfolgst du die Entwicklung des Spiels, vor allem in Hinblick auf die kommenden Jahre?

Oft kommen Leute, die nichts mit Esport zu tun haben, auf mich zu und fragen, was ich nach meiner CS:GO-Karriere machen werde. Dann schaue ich sie meistens ziemlich fassungslos an und frage mich ernsthaft, was sie damit meinen.

Manche Menschen arbeiten ihr Leben lang im selben Job, andere wechseln ihn alle fünf bis zehn Jahre. Keine Ahnung, was ich davon halten soll. Zu fragen, was passiert, wenn Counter-Strike irgendwann nicht mehr existiert - das finde ich fast schon ein wenig unverschämt.

CS gibt es jetzt seit 20 Jahren und ich sehe keinen Grund, wieso sich daran etwas ändern sollte. Klar, gibt es Probleme in Hinsicht auf das Marketing. Schließlich schießen sich die Leute bei uns gegenseitig in den Kopf und tragen eine Bombe mit sich herum. Aber wir sind immer noch hier und Hunderttausende sehen uns dabei zu. Ich reise nahezu in jeder Woche meines Lebens in verschiedenste Länder, bin in vollgepackten Arenen und rede dabei über ein Videospiel.

Ich bin sicher nicht so naiv zu glauben, dass es vielleicht irgendwann etwas ruhiger um CS wird. Aber ich glaube einfach nicht daran, dass es komplett verschwindet. Ich glaube auch nicht, dass Valve nie mehr eine Fortsetzung zu CS:GO veröffentlichen wird. Irgendwann wird es ein neues Spiel geben und die Geschichte wird fortgeschrieben.

Ich hoffe einfach, dass ich, egal ob als Caster, Analyst oder in der Produktion, dabei bleibe. Ich bleibe dem Esport treu, vorzugsweise natürlich in Counter-Strike. Das alles ist einfach so interessant und erfüllend für mich, da gibt es keine zweite Wahl.


Was denkst du über den aktuellen Status von CS:GO? In der Vergangenheit hast du dich immer wieder über verschiedene Updates und Änderungen im Spiel geäußert.

Bei diesem Thema bin ich sehr aktiv, denn mein Job ist es im Grunde, die Nachteile des Spiels anzusprechen. Die Spieler stellen sich immer die Frage, wie sie gewinnen können. Die Community fragt sich, was im Matchmaking ganz cool wäre. Ich versuche jedoch herauszufinden, welche Auswirkungen Updates auf die kompetitive Szene von CS haben.

Als die Änderungen am Geldsystem veröffentlicht wurden, sprach ich darüber, dass die Ts jetzt in der Pistol eine Eco machen, den Spot rushen und die Bombe legen können, um in der Folgerunde einen besseren Buy zu haben als die CTs. Jetzt, mit den Änderungen an den Scoped Rifles, sehen wir SGs bereits in der zweite Runde gegen MP9s. Das sieht auf den ersten Blick ziemlich overpowered aus. Die einfachste Lösung dafür wäre also, den Preis für SGs zu erhöhen.


Was ich möchte, ist die reinste bzw. fairste Form von Counter-Strike. Okay, nicht unbedingt die fairste Form, da Counter-Strike kein 50:50-Spiel ist. Es ist ein Spiel, das schwer zu erlernen und noch schwerer zu meistern ist. Innovationen müssen dabei der Schlüssel bleiben. Wir wollen schließlich, dass die Spieler gezwungen sind, neue Dinge zu integrieren, um neue Wege zu gehen und neue Strategien entwickeln zu müssen.

Bei den Geldänderungen bin ich aber immer sehr kritisch, da es für mich der interessanteste Aspekt des ganzen Spiels ist oder zumindest war. Beim Vertigo-Update dachte ich sofort, das sei eine neue Chance für Innovationen und habe es dementsprechend positiv gesehen. Die Community und auch die Spieler hassen es jedoch, weil es bedeutet, neue Dinge zu lernen und sich intensiv damit zu beschäftigen. Dasselbe gilt für die SG und die AUG.


Für mich bedeuten diese Änderungen neue Optionen. Mit mehr Optionen hat man mehr Vielfalt und letztlich ein interessanteres Spiel. Ich sehe es einfach aus einer anderen Perspektive als die meisten. Ich spiele CS:GO nicht so oft, auch wenn ich es gerne tun würde. Dafür reise ich zu viel - meistens nur mit einem Laptop. Ich spreche die Dinge einfach gerne lautstark an. Und das tue ich, weil ich dieses Spiel liebe.


Geschrieben von vdr

Quelle: Bildquelle: ESL

Kommentare


#1
sLazZz schrieb am 29.09.2019, 14:04 CEST:
Ein wahrer Prophet
#2
Shyn0 schrieb am 29.09.2019, 15:12 CEST:
sLazZz schrieb:
Ein wahrer Prophet


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