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Meinung: Durchgekautzt – Warum ein Player Break so wichtig ist05.08.2018, 15:00

Klasse statt Masse

CS:GO steckt im Sommerloch. Nach dem Tier 2-Techtelmechtel IEM Shanghai 2018 wird es dank des Player Breaks für ein paar Wochen kein CS auf höchstem Niveau zu sehen geben – und das ist gut so.



Die meisten Experten sind sich einig, wer momentan das beste CS spielt: Astralis überzeugt durch fast fehlerfreies Teamplay, solide Taktiken und immer neue Granaten. Die taktische Tiefe und Innovation kommen nicht von ungefähr. Seit einiger Zeit lassen die Dänen immer wieder Events aus, um sich mehr auf ein effektives Training und ihre Entwicklung abseits des Servers konzentrieren zu können – mit Erfolg.

Im krassen Gegensatz dazu steht momentan MIBR. Die Brasilianer haben schwer damit zu kämpfen, die Neuzugänge Jake 'Stewie2k' Yip und Tarik 'tarik' Celik ins Teamgefüge zu integrieren. Kein Wunder, denn solch ein Prozess braucht vorallem eines: Zeit. Diese Zeit hat das Team nicht, wenn es sich quasi permanent auf Reisen befindet und explizit auf Events fährt, um dort zu trainieren. Eine Praxis, die Russel 'Twistzz' Van Dulken wahrscheinlich zu Recht anzweifelt.

MIBR looks kinda like a mess right now, that’s to be expected after picking up a new player, and their way of practicing seems kind of flawed in saying that they are purposefully going to events for practice, and that’s not really smart in my eyes.


Auch Fatih 'gob b' Dayik weiß zu berichten, was die absurde Dichte an Ligen, Qualifiern und Turnieren anrichten kann. Er macht die ständige Belastung für BIGs Absturz nach dem PGL Major Krakow 2017 mitverantwortlich.

Wir haben gefailed letztes Jahr in dieser Zeit. Jetzt haben wir versucht schon am Anfang des Jahres zu sagen: "Im Sommer dürfen wir nicht den gleichen Fehler machen, wie setzen wir also unseren Urlaub?" Wir wollten auf jeden Fall super viel Zeit haben vor dem ersten Event, nicht nur ein oder zwei Wochen, sondern fünf oder sechs. [...] Letztes Jahr haben wir nur eine Woche vor der EPL noch Matches gehabt. Ich habe das schon oft gesagt, aber wir haben uns dann so durch die EPL-Matches geschummelt. "Welche Map ist nächste Woche dran? Wir haben zwar diese und jene Schwachstelle, aber das schaffen wir jetzt nicht in einer Woche. Also versuchen wir irgendwie mit einem Pflaster durch den Krieg zu kommen." Das hatte dann einen Snowball-Effekt ins Negative.


Die Lösung des Problems: der Player Break. Zunächst dient er natürlich zur Erholung. Aber sobald der Urlaub vorbei ist, haben Teams nun endlich die Chance ihre Schwachstellen ausfindig zu machen, ihr Teamgefüge zu kitten und auch die ein oder andere Innovation ins Spiel zu bringen. Vor dem FACEIT Major London 2018 kommt das gerade richtig, denn so steigen die Chancen, dass wir beim wichtigsten Turnier des Jahres das bestmögliche CS zu sehen bekommen.

Ordnung ins Chaos

Neben der Entlastung für die Teams bringt der Player Break auch etwas dringend benötigte Struktur ins Spiel. Zahllose Deadlines und Regelungen für Roster-Locks sorgen den Rest des Jahres für ein undurchdringliches Chaos im sich durchgehend drehenden Wechselkarussell. Durch den Break haben Teams wie Cloud9 jetzt endlich die Chance, ihr Roster in Ruhe neu zu formieren, ohne sich dabei mit immer neuen Stand-Ins durch die Brackets hangeln zu müssen.


Auch in der Organisation der Spieler untereinander hat der Player Break eine wichtige Funktion. Vor der Gründung der Counter-Strike Professional Players' Association (CSPPA) im Juni dieses Jahres war der temporäre Waffenstillstand das einzige Thema, bei dem die Spieler es schafften, sich zusammenzuschließen und eine gemeinsame Entscheidung zu treffen. Das demonstriert auch, wie wichtig die Pause den Spielern ist.

Weniger ist mehr

Nicht zuletzt kommt die Pause auch den Zuschauern zugute. Übersättigung ist ein Problem, welches seit Jahren diskutiert wird. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt gibt es gefühlt tausende von Turnieren, aus denen man wählen muss. Niemand weiß genau, welches Turnier nun welchen Stellenwert hat, denn seit Turnieren wie der WESG 2017 und dem V4 Future Sports Festival ist selbst das Preisgeld kein verlässlicher Indikator mehr. Ein Monat ohne die ständige Qual der Wahl wirkt fast schon wie eine Entlastung.


Für alle, die nicht ohne ihre tägliche CS:GO-Dosis auskommen, gibt es ja noch die kleineren Turniere. Wenn sich die großen Turnierveranstalter mal nicht jede Woche die Klinke in die Hand geben, bekommen auch nationale Wettbewerbe wie die 99Damage Liga Saison #9 verdientermaßen mehr Aufmerksamkeit. So sehen wir nicht mehrmals pro Woche dieselben Tier 1-Matchups und es entwickelt sich auf lange Sicht eine gesundere Mittelklasse.

397 Events gab es für CS:GO im Jahr 2017. Selbst, wenn diese Events nur einen Tag andauern würden, wäre das mehr als ein Event pro Tag. Das bedeutet stagnierende Entwicklung und Lagerkoller bei den Teams, Verwirrung und Überschneidungen bei den Veranstaltern und Übersättigung bei den Fans. Ein paar Wochen Pause im Jahr sind für alle Beteiligten mehr als nur willkommene Abwechslung. Denn am Ende des vollgestopften CS-Tages sollte nicht die Masse an CS zählen, sondern die Klasse.


Geschrieben von kautzy

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Kommentare


#1
Pinselaeffchen schrieb am 05.08.2018, 16:07 CEST:
naja ... was soll man dazu sagen ^^ da muss man sich erstmal ne meinung bilden ... guter artikel!
#2
SINNNnn schrieb am 05.08.2018, 16:53 CEST:
Super Artikel. Die Pause ist sehr wichtig für Spieler und Fans.
#3
1HeinRich1 schrieb am 05.08.2018, 18:30 CEST:
Lesenswerter Artikel, wie immer!
#4
MeisterNice schrieb am 05.08.2018, 19:09 CEST:
ja ich brauch auch wirklich mal pause will selber spielen ohne was zu verpassen
#5
Sublinegirl schrieb am 05.08.2018, 19:35 CEST:
Super Beitrag!
#6
Cruzifish schrieb am 05.08.2018, 21:22 CEST:
die Pause ist gut, ich finde man hat sich langsam auch sattgesehen wenn jedes wochenende immer die gleichen teams gegeneinander spielen auf LAN und unter der woche meistens noch online turniere sind
 

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