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Szene: Sechs Jahre nach dem Major-Sieg in Katowice22.03.2020, 16:58

Virtus.pro vollendet polnischen Traum

Virtus.pro gewann vor sechs Jahren die EMS One Katowice 2014. Das legendäre, siegreiche Lineup krönte damit die Erfolgsgeschichte des polnischen Counter-Strike. Angefangen hat alles beim Ursprung des E-Sport.



Ein unvergesslicher Moment im professionellen Counter-Strike: Global Offensive war der 16. März 2014 in Katowice: Jarosław 'pasha' Jarząbkowski stemmt die Major-Trophäe den Fans in der Spodek-Arena entgegen. Gerade hatte Virtus.pro im Finale die Ninjas in Pyjamas geschlagen. Für das polnische Publikum erfüllte sich mit dem Heimsieg vor fast genau sechs Jahren ein Traum mit dem Gewinn der ESL Major Series One Katowice 2014. Natürlich galt das ebenso für die fünf polnischen Spieler im Dress von Virtus.pro, die damit ihren Legendenstatus einmal mehr bestätigt hatten. In Katowice wurde erstmals ein Major auf polnischem Boden ausgetragen - was die doppelte Bedeutung unterstreichen sollte.



Legenden waren Wiktor 'TaZ' Wojtas, Filip 'NEO' Kubski und PashaBiceps bereits aus ihrer Zeit von Counter-Strike 1.6. Die in der Version CS:GO hinzugestoßenen Janusz 'Snax' Pogorzelski und Paweł 'byali' Bieliński wurden es mit dem Majorsieg zweifellos. Alle fünf Spieler vereinten außergewöhnliches Talent, das Virtus.pro zu einem langjährigen Ausnahmeteam in CS:GO erwachsen ließ. Das Team gilt heute als Referenz und Vorbild der kommenden E-Sport-Generationen in Polen.

PashaBiceps, NEO und TaZ gehören zur ersten Generation von polnischen CS-Spielern, die von der Version 1.6 an bis zu Counter-Strike: Global Offensive ihre Profikarrieren weiterentwickelt haben.
Spieler dieses Kalibers aus dem östlichen Nachbarland gab es stets. Erst vor Kurzem hat die deutsche Organisation Sprout den Youngster Paweł 'dycha' Dycha verpflichtet, der nach Ansicht von TaZ aktuell das größte Talent in Polen ist.



Der Weg des legendären Lineups von Virtus.pro bis hin zum Major-Triumph 2014 war ein langer. Der Kern startete mit den sogenannten The Golden Five. Die „Fünf goldenen Jungs“ dominierten die polnische Szene zwischen 2006 und 2008 und machten bei internationalen Turnieren auf sich aufmerksam. Darunter waren TaZ und NEO sowie Łukasz "LUq" Wnęk, Mariusz 'Loord' Cybulski und Jakub 'kuben' Gurczynski. In der 1.6-Szene mischten die Polen kräftig mit und konnten erste Turniere gewinnen. Als LUq 2010 seine Karriere beendete, ersetzte ihn PashaBiceps.

Das Leben als Profi war nicht einfach zu dieser Zeit. Zu Beginn ihrer Karrieren mussten die CS-Spieler noch Nebenjobs in Kauf nehmen, ehe genug Geld für den Lebensunterhalt geflossen ist. PashaBiceps beispielsweise arbeitete zeitweise in der Baubranche und begann eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, bevor er durch die steigenden Preisgelder und die später gezahlten Gehälter im professionellen Counter-Strike genügend Einnahmen hatte.

Gefürchtet und respektiert

Die jungen E-Sportler befanden sich in einem Lernprozess, der gänzlich ohne Erfahrungswerte passierte. Hilfe gab es von außen. NEOs Vater beispielsweise unterstützte die E-Sport-Karriere seines Sohnes nach Kräften. In einem Interview mit 99Damage erzählte NEO im vergangenen Jahr, dass sein Vater anfangs die Spieler zu Events gefahren hatte, später habe er dann zusätzlich Manager-Aufgaben übernommen.

Auf den Servern lief alles nach Plan: The Golden Five entwickelten sich zum gefürchteten und respektierten Gegner in Counter-Strike 1.6. Obwohl sie ständig unter anderem Namen spielten, blieb der Erfolg stets an den fünf Spielern haften. Schon in ihrem ersten Jahr 2006 konnten die Polen unter dem Banner von Team Pentagram die Titel World Series of Video Games und World Cyber Games gewinnen, was ihren Ruf in der 1.6-Szene festigte. In ihrem erfolgreichsten Jahr 2011 holten NEO, TaZ und Co. sieben Turniersiege, darunter wieder die World Cyber Games und die World eSports Games.



Im Umbruch durch CS:GO

The Golden Five gehörten zur Weltelite in Counter-Strike. Mit der Veröffentlichung von Counter-Strike: Global Offensive folgte jedoch ein Einbruch. Das Team musste sich 2012 an die Meta der neuen Version umgewöhnen. Die Folge der Umstellung waren schlechtere Platzierungen bei Wettkämpfen - der gewohnte Platz an der Sonne rückte vorerst in weite Ferne.

Daraufhin folgte ein personeller Umbruch - The Golden Five waren 2013 Geschichte, als Looord und kuben das Team verließen. PashaBiceps, NEO und TaZ wechselten zu den Universal Soldiers. Als neue Mitspieler stießen die Talente Snax und byali zum Veteranen-Trio.



Der Weg zu alten Erfolgen verlief weiterhin steinig. Demütigend für die Polen war das Ausscheiden in der Gruppenphase des Majors DreamHack Winter 2013 in Jönköping. Die Schmach saß tief. Die einst gefeierten Stars mussten lernen, mit Rückschlägen umzugehen.

Das neue Virtus.pro

Im Januar 2014 verpflichtete Virtus.pro die fünf Spieler, die vorher unter Universal Soldier spielten. Der russischen Organisation mit dem Bären im Logo gelang damit aus heutiger Sicht ein Glücksgriff. Die anschließenden Erfolge des polnischen Rosters sind unzweifelhaft mit dem Namen Virtus.pro verknüpft. Nicht zuletzt weil es eines der langlebigsten Lineups in der bisherigen Geschichte von Counter Strike: Global Offensive überhaupt war. Etwas über vier Jahre spielte das Team unverändert zusammen.

Der Sieg des Majors in Katowice vor heimischen Publikum war mit Sicherheit der krönende Höhepunkt des Lineups. Doch den Mythos Virtus.pro prägen viele Faktoren. Es war das Talent der Spieler, gepaart mit ihren Persönlichkeiten.

Ausnahmespieler und Charakterspieler

Allen voran PashaBiceps und Snax, die mit ihrer offenen und humorvollen Art die Herzen der Fans erobern konnten. PashaBiceps ließ die Comunity oft in Streams an seinem Leben teilhaben. Auch Privates teilte der muskelbepackte Kerl ungefiltert mit der Öffentlichkeit.

Kapitän TaZ war das Sprachrohr des Teams, der wortgewandt und passioniert die Geschicke von Virtus.pro leitete. Hoch engagiert im Spiel, mit teils emotionalen Ausbrüchen in Richtung des Gegners, blieb TaZ aber immer ein fairer Sportsmann. Unvergessen bleibt seine Fairplay-Geste gegenüber Fnatic-Spieler Olof 'olofmeister' Kajbjer, der von polnischen Fans bei der ESL One Cologne 2015 nach dem Ausscheiden von Virtus.pro ausgebuht wurde. TaZ forderte vom Publikum Respekt für seinen Gegner ein - mit Erfolg.



NEO zeichnete sich als akribischer Arbeiter aus, der mit großem Talen gesegnet war. Weniger extrovertiert, dafür immer wertvoll für das Team. Ein eher stiller Star, der bereits seit der Version 1.6 einen Legenden-Status genoss. Für manche gilt er als der Beste aller Zeiten dieser CS-Version. Noch stiller war nur byali, der das Team von Virtus.pro komplettierte.



Eine Geschichte wie das Team von Virtus.pro sie erzählt, gibt es wenige in Counter-Strike. Neben den persönlichen Erfolgen wuchsen die Spieler zu Identifikationsfiguren für kommende E-Sport-Generationen heran - und das nicht nur in Polen. Das Logo mit dem Bären erfreute sich auch internationaler Beliebtheit und der Namenstag "NEO" erfuhr nicht nur zu 1.6-Zeiten eine hohe Inflation.

Neben dem Major-Sieg hat Virtus.pro unter der Ägide der polnischen Spieler weitere 13 Titel eingefahren. Das gelang nicht zuletzt durch die Kontinuität des Teamgefüges, das über vier Jahre zusammen durch dick und dünn gegangen war. Der Begriff "Virtus.plow" wurde in ihren besten Zeiten geprägt. Das waren die Momente von Leistungsexplosionen, in denen die polnischen Spieler ihre Gegner sprichwörtlich vom Spielfeld gepflügt hatten.



Im März 2018 endete die Ära der glorreichen Fünf von Virtus.pro, als die Organisation TaZ wegen mangelnden Erfolges auf die Bank verfrachtete. Nach und nach folgten die anderen. Was bleibt, sind die Erinnerungen an fantastische Momente des E-Sports. Allen voran der jubelnde PashaBiceps mit der Major-Trophäe in der Hand - sie waren auf dem Gipfel angekommen.

Foto: Helena Kristiansson/ESL


Geschrieben von swayzay

Kommentare


#1
Jonny009 schrieb am 22.03.2020, 18:14 CET:
Sehr schöner Beitrag,
War ein großer Fan von den Jungs.
#2
87in3 schrieb am 22.03.2020, 19:11 CET:
das sind einfach saugeile Artikel. Mehr! MEHR!
#3
nativo schrieb am 23.03.2020, 09:47 CET:
VP beste Zeit gewesen.
#4
Brilliant325 schrieb am 23.03.2020, 14:10 CET:
die zeit mit VP war einfach Legendär. Richtige Sympathieträger.

Toller Artikel
 

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