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Interview: Sprout-Spieler spricht über vergangene und kommende Saison16.08.2020, 14:57

denis: Gegen BIG sind andere Emotionen im Spiel

Denis 'denis' Howell spricht im Interview mit 99Damage über die aktuelle Situation bei Sprout und die vergangene Saison. Ein Highlight wird das Aufeinandertreffen mit BIG zum Auftakt der Gruppenphase der ESL One Cologne 2020.



Der Arbeitsalltag hat denis wieder fest im Griff. Gerade weilt der Spieler von Sprout mit seinem Team im Bootcamp in Osnabrück. Im Interview mit 99Damage klingt der 26-Jährige erholt und ausgeruht, denn in der Spielerpause konnte der Saarländer endlich eine ordentliche Portion Kraft tanken. Das war auch nötig nach der kraftraubenden Saison.


Gewöhnlich verreist denis gerne im Urlaub, um den Kopf richtig freizubekommen. Doch die aktuelle COVID-19-Pandemie machte aus der Reiselust einen Heimaturlaub. "Ich habe entspannt, viel Sport gemacht und nebenbei etwas am PC und an der PlayStation gezockt", sagt er. Natürlich flimmerte ab und zu sein professioneller Heimathafen CS:GO auf dem Monitor. Abwechslung schafften dann aber Titel wie Far Cry 5 oder Horizon Zero Dawn. Viel Zeit also, um die Seele einmal entspannt baumeln zu lassen.

Kein Blick zurück im Zorn

Eine anstrengende Saison liegt hinter denis und Sprout, die innerhalb und außerhalb des Teams voller Veränderungen steckte. Gerne blickt er auf die Erfolge zurück. Da war der Sieg in der ESL Meisterschaft Saison 1 2020 gegen den großen deutschen Rivalen BIG, der zugleich die Qualifikation für die Play-in-Phase der ESL One Cologne 2020 bedeutete. Durch die aktuellen Umstände der Pandemie wurde daraus ein fester Slot für das Turnier, das nun ausschließlich online stattfinden wird und auf mehrere Regionen aufgeteilt wurde.

Zu hoch hängt denis den Erfolg im Finale der ESL Meisterschaft gegen BIG allerdings nicht. "BIG ist klar besser als wir", und verweist auf den Status von Johannes 'tabseN' Wodarz und Co. als aktuelle Nummer eins der Welt. Was ihnen im Duell um die nationale Meisterschaft geholfen habe, sei eben der Derby-Charakter, wenn deutsche Spitzenteams aufeinandertreffen.


"Wir kennen uns natürlich gut untereinander, teils haben wir auch zusammen gespielt. Da sind andere Emotionen im Spiel als gegen internationale Gegner", sagt denis. Der Sprout-Akteur spielte im vergangenen Jahr selbst einige Monate bei BIG. Gepasst hatte das aus mehreren Gründen nicht.

Aber denis blickt nicht zurück im Zorn. Im Gegenteil: "In der Zeit bei BIG habe ich weitere Anregungen mitgenommen. Man lernt immer dazu. Von Fatih 'gob b' Dayik gab es weitere taktische Dinge auf den Weg oder von tabseN Tipps zum mechanischen Spiel", sagt der CS-Veteran.

Der Erfahrungsschatz von denis ist nach acht Jahren im Profigeschäft ohnehin hoch. Als besonders prägend nennt er die Zeit bei mousesports. "Das war bisher meine erfolgreichste Zeit. Ich habe dort nicht nur spielerisch dazugelernt, sondern mir viele weitere Kompetenzen auf menschlicher Ebene erarbeitet." Das Reisen zu den LAN-Events mache die Profis selbstständiger und schule sie im Umgang mit Medien.

Spieler müssen Schritt halten

mouesesports hat irgendwann mit der Aufstellung eines kompletten internationalen Lineups einen anderen Weg eingeschlagen. Auch ein Ausdruck dafür, wie sich Counter-Strike: Global Offensive stets verändert. Spieler müssen damit Schritt halten. Das hat denis bei Tomáš 'oskar' Štastný vermisst, als der Tscheche im Januar dieses Jahres von Sprout verpflichtet wurde.

Die beiden Spieler kannten sich unter anderem von ihrer gemeinsamen Zeit bei mousesports. denis hat eine hohe Meinung von oskar: "Wenn er will, ist er richtig krass." oskar sei bei Sprout immer noch spielerisch auf diesem Level gewesen. Was ihm gefehlt habe, sei die Bereitschaft für Neues gewesen: "Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er bei uns nicht mehr motiviert war", sagt denis. Für ihn rückte Ende April Michał 'snatchie' Rudzki ins Team.


denis erklärt, dass sich das Metaspiel in den vergangenen Jahren verändert hat. Vorbildhaft sei dafür das dänische Topteam Astralis. "Der Ulility-Einsatz ist heutzutage absolut im Fokus und wichtig für das moderne Spiel." Auch BIG sei ein Team, das in dieser Hinsicht unheimlich stark aufspielt. "Schaut man etwas weiter zurück in die CS:GO-Geschichte, beruhte der Erfolg eher auf skillbasiertem Spiel", so denis.

Natürlich haben alle CS:GO-Profis einen hohen Skill, wenn es um das mechanische Spiel geht. Für den Einsatz der Utility braucht es indes unermüdlichen Fleiß, um den richtigen taktischen Einsatz auf den jeweiligen Maps zu lernen. Daran arbeite Sprout intensiv, sagt denis. Durch die Spielerwechsel fehlten lange Zeit die Automatismen im Team. "Wir haben jetzt das erste Bootcamp mit snatchie. Nun wollen wir gezielt daran arbeiten, die Synergien im Team weiterzuentwickeln und uns so für die kommenden Aufgaben zu präparieren."

Ausgleich zum Arbeitsalltag

Die Pandemie hat das gesamte CS:GO-Geschäft zwangsweise ins Internet verlegt. Dadurch wuchs die Belastung der Spieler, weil die Veranstalter die Turniere streckten und dehnten. Das öffentliche Leben kam eine Zeit lang zum Erliegen. denis hatte sich mit der Situation arrangiert. "Am Anfang war das wirklich anstrengend. Heute bin ich natürlich froh, dass beispielsweise wieder die Fitness-Studios und die Restaurants geöffnet haben." Der Ausgleich zum Profidasein ist dem Saarländer wichtig.

"Wir hatten zur Zeit der Pandemie wochenlang kaum einen Tag Erholung. Ich fand das anstrengender, als zu LAN-Turnieren zu reisen", erklärt denis. Die Einschränkungen wegen COVID 19 dienten dem gesundheitlichen Schutz der Allgemeinheit. Für die E-Sport-Branche ist die körperliche Verfasstheit der Profis stets ein aktuelles Thema. Nicht erst seit dem krankheitsbedingten Ausscheiden der Topstars Lukas 'gla1ve' Rossander und Andreas 'Xyp9x' Højsleth von Astralis im Mai dieses Jahres steht das Thema oben auf der Prioritätenliste der Organisationen.


"In CS:GO und im E-Sport ist das noch nicht so standardisiert wie in anderen Bereichen. Da fehlt bisher eine grundlegende Struktur", sagt denis. Neben dem Ausgleich zum Arbeitsalltag ist dem Sprout-Profi die mentale Komponente wichtig. "Der mentale Bereich gehört für mich zum Wichtigsten überhaupt im E-Sport, um die Leistungsfähigkeit auf einem hohen Level zu halten." denis hat dafür Expertenrat in Anspruch genommen, um in Drucksituationen standhalten zu können.

Von einer möglichen Erweiterung des Spielerkaders zur Entlastung hält der Sprout-Spieler allerdings nicht so viel. "Sicher ist das eine gute Strategie, um Spieler vor einem möglichen Burnout zu bewahren, aber in der Praxis bin ich skeptisch. Es ist nicht wie beim Fußball, dass man einfach einen Spieler austauschen kann." Das Quintett sei perfekt eingespielt und das mache es schwer, mit weiteren Spielern zu arbeiten. Überdies gebe es das Problem, dass nur fünf Spieler gemeinsam trainieren können.

Kampf um die Pro League

Nicht mehr als fünf Spieler trainieren aktuell intensiv bei Sprout. Neben dem Training ging die Saison schon mit Pflichtspielen los. Für die Berliner Organisation geht es am 17. August im Spiel gegen AGO Esports um die Qualifikation zur ESL Pro League Season #12. Der Platz in der Pro League bedeutet denis viel, denn dort warten die Topteams und Topstars der CS:GO-Szene, mit denen sich Sprout messen will.


denis empfindet im deutschen CS:GO so etwas wie eine "Aufbruchphase" durch den "Run" von BIG. "Die Erfolge von BIG sind auch eine Motivation für uns. Man hat gesehen, dass das deutsche Counter-Strike mit den Topteams der Welt mithalten kann." Für denis sind Erfolge gegen CS:GO-Spitzenteams freilich kein Neuland mehr. Bereits als Spieler von mouz und PENTA spielte er erfolgreich gegen die großen Namen der Szene.



Der Respekt vor den Gegnern ist da, aber Sprout geht mit Selbstbewusstsein an die kommenden Aufgaben. Mittlerweile ist das Team mit den Neuzugängen Paweł 'dycha' Dycha und snatchie zusammegewachsen. denis' Aufgabe im Team ist eher passiver Natur auf den Maps: "Ich bin oft allein unterwegs, das bringt meine Rolle mit sich."

"Früher war ich aggressiver"

Auf seiner Position füllt denis Lücken oder rotiert zwischen den Spots. "Früher war ich aggressiver im Spielstil. Die Umstellung war sicher ein Lernprozess. Aber jede Position ist bei uns gleich wichtig." Mannschaftsdienlich ist das passende Attribut für den Einsatz des Riflers im Team von Sprout.


Dadurch steht denis sicherlich nicht so im Spotlight wie andere. Aber die kommenden Spiele werden Sprout insgesamt auf die große Bühne hieven. Gelingt die Qualifikation für die ESL Pro League, wird sich das Team mit den Großen der Szene messen. Bei der ESL One Cologne ist das bereits gesichert. Zum Auftakt geht es am 18. August - ausgerechnet an denis' Geburtstag - gegen BIG. Für das Quintett von Sprout ist dann sicher wieder Zeit für besondere Emotionen gekommen - für denis an seinem Ehrentag sogar in zweierlei Hinsicht.

Foto: Helena Kristiansson/ESL


Geschrieben von swayzay

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